Geschichtlicher Rückblick der Theatergruppe Wängi

Theater mit Tradition

Theater spielen hat in Wängi eine lange Tradition. Der erste schriftliche Nachweis für Theateraktivitäten stammt aus dem Jahr 1911. Im Kassabuch des katholischen Jünglingsvereins findet sich ein Eintrag für die Miete des Lindensaales von Fr. 10.-,  sowie die Nachnahmegebühr für drei Theaterbüchlein im Wert von Fr. 1.65.

Seit über 100 Jahren wird demnach diese Schauspiel-Tradition von katholischen Vereinen gepflegt.

Ob die Initiative für jährliche Theatervorstellungen vom Jünglingsverein oder vom damaligen Pfarrer Fräfel ausging, ist leider nirgends ersichtlich. Auf jeden Fall führte früher traditionsgemäss immer der katholische Pfarrer die Regie.

Da der Jünglingsverein, wie der Name schon sagt, nur aus jungen Burschen bestand, aber auch damalige Theaterstücke schon Frauenrollen enthielten, entstand eine „Theaterkooperation“ mit dem katholischen Arbeiterinnenverein. Die Aufführungen fanden damals im Saal des Restaurants Linde statt. Dieser Saal war natürlich bedeutend kleiner als der heutige Vereinshaussaal und mit dem Bühnenaufbau bot er vermutlich höchstens noch 30 – 40 Zuschauern Platz.

Wie viele Aufführungen damals jeweils durchgeführt wurden ist nicht bekannt. Aus den alten Kassabüchern ist aber ersichtlich, dass der Reingewinn 1916 bereits Fr. 90.25 betrug. Nach einem Kulissenkauf im Jahre 1919 resultierte ein Verlust von Fr. 199.18. Bereits 6 Jahre später konnte aber schon wieder ein Reingewinn von Fr. 225.85 erzielt werden.

Es ist davon auszugehen, dass der steigende Erfolg der Theatervorstellungen mit dazu beitrug, dass die Katholische Kirchgemeinde am 2. Mai 1925 das Stickereigebäude (heutiges Vereinshaus) von der Witwe Krähenmann erwarb. Der Kaufpreis von Fr. 22’000.- erscheint natürlich aus heutiger Sicht als Schnäppchen!

Wie lange der Umbau der Stickerei in einen Saal mit Bühne sowie der Einbau von Unterrichtszimmern dauerte, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall fanden 1927 mit dem Stück „Nidwaldner Verzweiflungskampf“ die ersten Theatervorstellungen im Vereinshaus statt. Erst 40 Jahre später, nämlich 1965 wurde der erste nord-östliche Saalanbau realisiert. Dadurch konnte der Eingangsbereich vergrössert und die heutige WC-Anlage realisiert werden. Neben dem neuen Eingang entstand gleichzeitig ein kleines Office.

Ab 1936 waren dann bereits drei katholische Vereine an den Theateraufführungen beteiligt. Es findet sich nämlich ein Darlehensvertrag über den damals stolzen Betrag von Fr. 1’200.-, welcher Herr A. Zumbühl vom Kaufhaus Wängi den Theaterleuten zur Beschaffung von neuen Kulissen zur Verfügung stellte. Unterschrieben wurde dieser Vertrag von der Jungmannschaft (Nachfolgeverein des Jünglingsvereins), vom Arbeiterinnenverein und von der Jungfrauenkongregation.

Beschafft wurden die Kulissen im Wert von Fr. 1’380.- bei der nach wie vor existierenden Firma Eberhard Bühnenbau in Weesen. Diese Kulissen werden übrigens vor allem bei Aussenszenen auch heute noch eingesetzt! Das Hintergrundbild, welches beidseitig nutzbar ist wurde im Jahre 1947 ebenfalls von der Firma Eberhard erschaffen.

Von 1925 bis 1943 führte Pfarrer Alfons Keller die muntere Theaterschar und wurde 1944 vom legendären und sicher noch einigen Wängenern bekannten Pfarrer Josef Isenegger abgelöst.

Dieser liess es sich nicht nehmen, zwei Jahre nach seinem Amtsantritt gleich ein selber geschriebenes Stück zu präsentieren, nämlich „Die heilige Hildegard“. Er behielt das Regiezepter übrigens 26 Jahre in eiserner Hand und wurde erst 1971 durch den ersten „nicht-Pfarrer“,  aber nicht weniger legendären Paulo Cozatti abgelöst.

Über Paulo und sein Wirken im Wängener Theater könnte alleine schon ein Buch geschrieben werden. Voller Stolz erzählte er jeweils, wie er schon mit 5 Jahren das erste Mal auf der Bühne gestanden habe. Unbestritten hat Paulo Cozatti die Vereinshausbühne in grossem Masse geprägt und gefördert, zuerst als Spieler und später als Regisseur. Unvergessen bleiben seine Tipps und Einlagen, seine harte Hand beim Schminken und natürlich die legendären Grillabende nach seinen Grönlandaufenthalten. Leider verstarb Paulo 1992 viel zu früh nach einem tragischen Verkehrsunfall.

Nach diesem grossen Verlust wurde die Regie daher ab 1993 ad interim durch die Spieler Beat Krähemann und Christian Wanner übernommen. In diese Zeit fällt auch der Wandel von den klassischen Bauernschwänken zu den modernen Verwechslungskomödien. „Liebe macht erfinderisch“ mit dem doppelt verheirateten Taxifahrer Meier, war der Beginn dieser erfolgreichen Stücke. Mit einer grossen Sammelaktion und viel Eigenleistung wurden für diese Komödie neue Kulissen beschafft. Im Gegensatz zu den über 40-jährigen Segeltuchkulissen konnte nun endlich auch einmal eine Türe richtig zugeschletzt werden. Ebenfalls 1993 erhielt das Vereinshaus eine sanfte Innenrenovation sowie eine neue Bestuhlung.

Im Jahre 2001 entstand dann der zweite nord-östliche Anbau mit der modernen Küche. Endlich stand den fleissigen Helfern des KAB (Katholischer Arbeiterbund) eine grosse und moderne Infrastruktur für die kulinarische Verwöhnung der Theatergäste zur Verfügung. Im vorherigen Office wurde ein Invaliden-WC eingebaut.

Mit diesen vielen Veränderungen stieg auch die Zahl der Besucher stetig. Bis 1980 reichten jeweils noch zwei Aufführungen aus, um die ca. 450 Zuschauer zu beherbergen. Die hohe Qualität der Produktionen sprach sich aber immer mehr herum und heute reist das Publikum nicht nur aus dem ganzen Kanton, sondern aus der halben Schweiz nach Wängi. Die Zahl der Aufführungen musste in regelmässigen Abständen bis auf derzeit neun Vorstellungen erhöht werden, um die mittlerweile über 1’800 Besucher aufzunehmen.

Während vieler Jahre war die Theatergruppe dem katholischen Jugendforum angegliedert, welches in den Siebzigerjahren die Jungmannschaft und die Kongregation abgelöst hatte. Als das Jugendforum 1996 infolge fehlender Mitglieder aufgelöst wurde, gründeten die damaligen Spielerinnen und Spieler die heutige Theatergruppe Wängi als eigenständigen Verein.

Heute besteht die Theatergruppe Wängi aus ca. 25 Mitgliedern im Alter zwischen 20 und 75 Jahren. Neben Spielerinnen und Spielern, sind viele weitere Helferinnen und Helfer vor und hinter der Bühne für einen reibungslosen Ablauf der Vorstellungen nötig. So zum Beispiel die Bühnencrew, Maskenbildnerinnen, Probensouffleusen, die Reservationsverantwortliche, ein Internetbetreuer, Fotografen, Filmemacher und noch viele mehr!

Wängi, 1. Juni 2017, Beat Krähemann, Präsident der Theatergruppe Wängi